Kunst und Künstler der Region

 
Der Judaskuß
Figuren am Podest der heiligen Stiege
 
 
 
H
einrich von Treitschke, Historiker des Imperialismus, charakterisierte unseren Menschenschlag als recht bequem, labil und von einem Gruppencharakter dem der preußische Stahl fehle. Über Wirtschaft und Kultur unseres Landes wußte er kaum etwas Positives zu sagen, man sei eben Provinz und damit am Rande größerer historischer Ereignisse und kultureller Schöpferkraft. Nicht weniger abfällige Bemerkungen kennen wir von Kaiser Franz Joseph I, nachdem die Funde an Bodenschätzen im Adlergebirge nicht nach seiner Erwartung ausgefallen waren.
In das Rampenlicht deutscher Politik trat unsere Gegend immer nur dann, wenn Plünderung und Brandschatzung durch Hussiten und Schweden zu vermelden waren, als Heeresbewegungen im Kartoffelkrieg einen wirtschaftlichen Niedergang brachten, der Weberaufstand unsere Menschen in revolutionäre Bewegung versetzte und Kaiser Joseph II. einen Inspektionsritt durch unsere Landschaft vornahm. Die großen Befestigungen von 1938 um die Mittelwälder Pforte hatten allerdings die Aufmerksamkeit der Militärs bis in die oberste Armeeplanung beschäftigt. 

Ist die schöpferische Leistung unserer Menschen einfach mit der allgemeinen Bezeichnung „Bauernkultur“ zu umschreiben und ad acta zu legen? Rudolf Seidel (Rokitnitzer Chronik) beklagt den Mangel an Zusammenfassung und wissenschaftlicher Bearbeitung der gesamten Überlieferung und insonderheit jener der Kultur. Allein das Barock und der so gepflegte Marienkult habe doch kulturelle Leistungen hervorgebracht und Künstler von internationalem Rang geboren, die heute in kaum noch einem Reiseführer erwähnt würden. Klöster wie der Muttergottesberg bei Grulich, die Kirchen von Schildberg und Bad Reinerz u.a. sind in der Kunstgeschichte nicht nur Gnadenorte und Kultstätten; ihre Architektur und besonders jene der Wallfahrtskirche Maria Albendorf zählen zu den bemerkenswertesten Leistungen ostdeutschen Kulturschaffens.

Die Entfaltung der Malkunst und Bildhauerei

Beim Rückblättern unserer Heimatgeschichte oder mittels einer Kunstreise durch das nördliche Grenzgebiet der Sudeten trifft der aufmerksame Kenner auf sakrale Kunstschätze, die sich mit dem Namen Dominik Umlauf verbinden.
Sein Geburtsort ist Hoflenz/Friesetal, sein Geburtsdatum 1791, also die nachjosephinische Epoche, auf welche eine neue Blüte der barocken Marienkultur folgte. Ursprünglich als Geigenbauer ausgebildet, entdeckte er aber bald seine Talente „im Malen und Schnitzen“ und wurde als Autodidakt der Begründer einer Schule, die zu den größten und bekanntesten im böhmisch-mährischen Raume zählte. Seine Frühwerke in seiner Heimatkirche und in deren Kirchensprengel begründeten zunächst eine lokale Reputation, der Auftrag zur Herstellung einer Kreuzigungsgruppe durch den Gemeinderat von Pottenstein/Ostböhmen führte ihn zum Entschluß, in Geiersberg (Kyšberk) eine Maler- und Bildhauerwerkstatt als seinen zukünftigen Wohnort und Arbeitsplatz zu gründen. Nunmehr „Maler, Bildhauer und Restaurator“, bewarb er sich beim Bauamt der Diözese Königgrätz um Aufträge und erhielt den Zuschlag zur Restaurierung des Kreuzweges und Kreuzganges der Schloßkirche und der „Johanneskapelle am Hügel“ in Geiersberg. Die Diözese als neu gewonnener Dauerauftraggeber betraute ihn darauf mit der Renovierung der Statuengruppe und der Säule der hl. Jungfrau in Geiersberg und mit der Gestaltung der Kanzel in der Kundtschitzer Kirche; die feinen Facetten und die Bildhauerarbeit an der Kanzel von Mlynik finden zwar ihre Würdigung in Kunstführern, den Namen des Schöpfers sucht man heute leider vergebens.
 
 
Bischofssitz Königgrätz

Der talentierteste Nachfolger

Die künstlerischen Talente des Vaters vererbten sich am eindrucksvoll­sten auf seinen Sohn Ignaz, geboren 1821 in Hoflenz. Ausgebildet als akademischer Maler an der Kunstakademie in Prag (Professor Thadlik) und als Absolvent der Kunstakademie in Wien, begann er hier seine Karriere als „Porträt- und Genremaler“. Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn nach Budapest und Debrecen zum Studium von Museen und Galerien und öffneten ihm den Weg in die ersten Künstlerkreise der ungarischen Hauptstadt.
In den Kirchen von Gräfenberg, Mähr.-Schönberg, und im Schloß zu Geiersberg finden wir seine Gemälde, im sonst tschechisch beschrifteten Kreuzgang des Muttergottesberges trägt das Porträt der hl. Philomena als einziges die Unterschrift des Künstlers. 

Internationalen Ruf gewann er, als ihm Graf Nimptsch und eine russische Großherzogin an den Petersburger Hof beriefen und ihm hochbelohnte Aufträge als Porträtmaler gaben. 

Zurückgekehrt nach Wien, erwarb er sich den besten künstlerischen Ruf in adligen Kreisen. Der Feldmarschall Graf Haynau und der Generalvikar Freiherr von Augustin ließen sich porträtieren, Bilder wie „Wein, Weib und Gesang“, „Das Schlafende Kind“ und „Der Ritter und sein Liebchen“ wurden Erwerbungen der Kunstgalerie in Wien, die Königin Viktoria erwarb sein Bild „Die Bettelkinder“ für ihre eigene Kunstsammlung, und viele andere Gemälde aus seiner Hand sind heute im Besitze adliger und angesehenster Bürgerfamilien in ganz Europa. 

Als kranker Mensch kehrte Ignaz nach Geiersberg zurück, porträtierte hier Menschen und Landschaft in seiner Heimat (Erbrichter Kuhn) und widmete sich in seinem Alter dann ganz der sakralen Malerei. Die Anzahl der Heiligenbilder in unseren Kirchen, die aus seiner Hand stammen, ist gegenwärtig kaum annähernd schätzbar.

Die produktivste Phase der Schule

Johann, sein jüngerer Bruder, folgte Ignaz in seiner akademischen Karriere nach Prag und Wien, erreichte aber nicht ganz das internationale Ansehen des Älteren. Als Leiter der erweiterten Werkstatt in der Heimat erlebte die Umlaufschule ihre höchste Schaffensphase. Über 300 große Altarbilder zieren heute die Innenausstattung der Kirchen in der gesamten Monarchie, allein 20 wurden heute in den Bezirken Wildenschwerdt, Senftenberg und Landskron authentisch festgestellt. Die religiösen Porträt- und Szenenmalereien der Pfarrkirche zu Geiersberg sind Werke von Johann Umlauf. Aus seiner Schule stammen auch die 66 Motive aus dem Leben der hl. Jungfrau in der Kirche „Am heiligen Berg“ (unweit von P?ibram).
Die Krönung von Johanns Laufbahn war der Auftrag zur Ausstattung der St. Ignaziuskirche in Prag, wohin ihn die Erzdiözese berufen hatte. Die Freskenmalerei der Kirchenkuppel in der Dekanatskirche zu P?ibram wird von Kunstkritikern als die reifste Leistung des letzten Erben der Umlaufschule bezeichnet. Mit seinem Tode (1873) endete eine fast 100jährige Tradition ostböhmischen Kulturschaffens, jedoch ohne die Gefahr, die Bildhauerei und Reliefkunst in diesem Raume in das rein Handwerkliche abgleiten zu lassen. 

Gemessen an ihrem Wirkungskreis und ihrer Verbreitung, könnte sich die Umlaufschule sehr wohl mit jener von den Brüdern Asam bei Passau messen, ihre künstlerische Qualität mit dieser hat leider keinen Vergleichsmaßstab, nachdem viele Kunstwerke verloren gingen und diese Schule selbst ein noch unentdeckter, für unseren Raum so gut wie unerforschter Kulturträger ist.

Josef Rollet, ein Kulturträger des Adlergebirges

Sein voller Name war Josef Rolletscheck, geboren am 19. Oktober 1859 in Giessaus, Gemeinde Groß Auerschim. Aus bescheidenster Familie kommend - sein Vater war Harmonikabauer - verwandte er, unterstützt von Verwandten und Freunden, seine ganze Tatkraft und seinen Fleiß auf die Ausbildung seines künstlerischen Talents an der Kunstakademie in Prag. Seine spätere Studien- und künstlerische Schaffenszeit in Wien steigerten ihn zum Meisterschüler von Professor Frithjof Smith, der ihm ausgedehnte Studienreisen nach Italien ermöglichte, wo er sich künstlerische Vervollkommnung und eine gute Allgemeinbildung erwarb. Nach seiner ausgedehnten Lernzeit schuf er sich schnell einen Ruf in Wiener Künstlerkreisen und beim Adel als Porträt- und Landschaftsmaler. Seine Bilder finden wir heute in den Museen von Wien und Weimar, jene im Privatbesitz gingen in den Stürmen des Krieges verloren.
Dem Weimarer Kunstverein blieb er zeitlebens verbunden. Er verließ Wien, nachdem ihm der Weimarer Großherzog Karl Alexander eine Lebensstellung als Hausvogt in seiner Kunstgalerie besorgt hatte. 

Nicht unerwähnt soll auch seine Begabung als Schriftsteller und Lyriker sein. Die in Buchform erschienenen „Verwehten Träume“ (ein Gedichtband) sind lyrischer Ausdruck empfindsamer Lebensphasen seiner Kindheit in der Heimat und zwei Bände ernster und heiterer Novellen mit den Titeln „Schatten“ und „Was die Blumen erzählen“ gehören zur feinfühligsten Poesie unserer Heimatdichtung.

Aus der Armut zu Weltruhm

Unsere kunstvoll geschnitzten Weihnachtskrippen, das reichverzierte Mobiliar und die holzgeschnitzten Decken unserer Bauernstuben, die gedrehten und geschnitzten Tische und Stühle, die künstlerisch gestalteten Holzbrunnen und geschnitzte Reliefs und Säulen sind nicht schlechthin Volkskunst oder Broterwerb. Der Begabungen und Talente waren viele, doch leider nur wenigen gelang der Durchbruch zu internationaler Anerkennung.
Einer aus dem Grulicher Ländchen, dem dieses in eindrucksvoller Weise gelang, war Johann Meixner, geboren 1819 in Rothfloß. Als „Herrschaftlicher Jäger des Grafen Althan“ war sein Vater nicht in der Lage, den Lebensunter­halt der Familie zu bestreiten, also mußte der Sohn seine Schulzeit öfter mit dem Dienste bei der Herrschaft vertauschen. Seine Lehrzeit begann er als Bildrahmenmacher in Grulich, wechselte aber bald als „Figurenschnitzer“ zu einem fähigen Meister in einen Spielwarenladen. 

Zwei Bewerbungen an die Kunstakademie in Wien wurden zunächst abschlägig beantwortet, die dritte verschaffte ihm endlich den begehrten Zutritt und ein staatliches Stipendium. Sechs erfolgreiche Semester gaben ihm das Rüstzeug für einen Kunstbildhauer, sein Professor (Führich) ebnete ihm den Weg zur weiteren Ausbildung an der Akademie für antike Klassik in Rom. 

In seiner gesamten Zukunftsplanung war Wien das zentrale Betätigungs­feld. Dorthin kehrte er zurück und gründete sein Atelier (1850) in einer Stadt, die noch stark unter den nachrevolutionären Folgen litt. Kunst war hier zunächst nicht leicht in höhere Kreise zu tragen, doch wiederum war es die Diözese, für die er die Ausstattung der Pfarrkirche in Hietzing „mit Bildwerken und Heiligenfiguren“ besorgte. Seine hl. Elisabeth wurde prämiert. Ein großer Auftrag kam von den Österreichischen Staatsbahnen, die ihn für die Gestaltung des Hauptportals des neuerbauten Südbahnhofs engagierten. 

Für den Entwurf und die Ausführung des Albrechtbrunnens und für die Herstellung der Büste des Papstes Pius IX - heute befindet sie sich in Eszteragom (Gran), erhielt er ebenfalls den Zuschlag. 

Mit solchen Erfolgen stellten sich auch adlige Förderer ein, die höchsten Gesellschaftskreise interessierten sich für sein Werk. So Karl Schwarz, einflußreicher Stadtrat in Salzburg, der bei ihm eine Bronzestatue Friedrich v. Schillers für sein Palais orderte (1871), darauf bestellte der Kaiserhof eine Büste des Erzherzogs Johann. Für eine Statue des Kaisers Maximilian von Mexiko bezahlte ihn die Stadt Wien über den geforderten Preis. 

Besondere Liebhaber für seine Kunst fand Johann in den Adelsfamilien der Radetzky und der Windischgrätz. Sie betrauten ihn mit der künstlerischen Porträtgestaltung ihrer Familienmitglieder und der Generalfeldmarschälle. Nicht ungenannt soll auch der Wiener Kunstkreis als sein Förderer und Kunde bleiben. Eine von Johann gestaltete Büste Friedrich Liszts war ursprünglich Vereinseigentum und ist heute leider verschollen.

Ein Bildhauer am Hofe Maria Theresias

Philip Jakob Prokop, 1740 geboren in Rehberg, hatte die Bildhauerkunst in Königgrätz erlernt und an der Wiener Kunstakademie über das Abendstudium vervollkommnet. Seine Jugend war arm, in seinen Lehr- und Wanderjahren mußte er durch die harte Schule eines kärglichen Broterwerbs gehen, bis ihm endlich ein künstlerischer Durchbruch in Wien gelang und ihm die ehrenvolle Berufung an den Kaiserhof einbrachte.
Die Marmorstatue Aenea im Park von Schönbrunn (1774) ist sein Werk, seine Bronzeplastik des Fürsten Nikolaus von Esterhazy (1776) befindet sich im ungarischen Nationalmuseum in Budapest. 

Seine beiden Sandsteinplastiken des hl. Rochus und des hl. Sebastian gewannen den ersten Preis anläßlich einer Ausschreibung der Wiener Erzdiözese. Ihre fachliche Begutachtung machte einen so großen Eindruck auf die Kommission, daß ihm der Diözesanbaumeister die Ausgestaltung des Hochaltars der Michaelskirche gegenüber der Hofburg, diesmal ohne Ausschreibung, übertrug. Seine im Museum zu Stuhlweißenburg exponierten Steinplastiken sind leider durch einen Bombenangriff im 2. Weltkriege verloren gegangen. 

Unvergessen sollen auch die sakralen Kunstwerke in seiner Heimat sein, die unseren Kirchen künstlerischen Ruf brachten. So schuf er für seine Dorfkirche in Rehberg (Peter und Paul) die Holzplastiken des hl. Wenzel und des hl. Nepomuk und ebenso die der beiden Kirchenpatrone, die kunstvollen Holzschnitzereien am Altar, der meisterlich gestaltete Tabernakel und die barocke Ausstattung der Orgel stammen aus seiner Hand. Die Taufe des Herrn durch den hl. Johannes brachte er als Motiv auf den hölzernen Deckel des Taufsteins, desgleichen schreiben wir ihm die Personengruppe um die Himmelfahrt der Mutter Maria, die Posaunen- und die anderen Engelsfiguren zu. 

Das Sandsteindenkmal „Ecce homo“ vor der tschechischen Schule in Reichenau, eine Statue des Johannes von Nepomuk an der Straße, die dortige Pestsäule vor dem Pfarrhof und ein Steinkreuz waren die Gaben eines Künstlers an seine Heimat. Im Jahre 1760 bestellte die Diözese Königgrätz bei ihm eine Plastik für einem Seitenaltar der Kirche „Maria Mutter der Schmerzen“ in Himmlisch Riebnei, die Kirche in Groß Auerschim wird mit Plastiken der hl. Anna und des hl. Joachim geschmückt und einige Holzplastiken aus seiner Hand gehen wiederum an seine Heimatkirche in Rehberg. 

Nur die wichtigsten Künstler von internationalem Rang, jedoch heute leider namentlich in den Kunstführern kaum genannt und von den heutigen Bewohnern vergessen, seien hier angeführt, das gesamte Feld der sakralen Kunst in unserer Region ist damit noch nicht erschöpfend umschrieben. Lebenslauf und Werk ermöglichen Vergleiche zu Wiener und zu Prager Kirchen, sie sprechen nicht nur für Talent und Begabung, sondern auch für die Lehrer, die Ausbildung und die Förderung für Begabte in der Monarchie und für Wien und Prag als Hauptstädte des Kunstschaffens. Und an diesem hat unsere Region einen internationalen Anteil; die Holzschnitzkunst des Adlergebirges präsentierte sich durchaus konkurrenzfähig in den Kunstmetropolen Europas zur damaligen Zeit.

Krippenkunst von Weltruf

Die Krippenschnitzer

Ein großes Waldgebiet sorgte für den Rohstoff, die Not unserer Dörfer trieb zur Entfaltung aller Kräfte an und machte erfindungsreich, Talente waren offensichtlich in Breite vorhanden und ein günstiges Schicksal hat diese auf den erfolgreichen Weg gebracht: auf die Krippenschnitzkunst. Über sie wurde Grulich ein weltbekanntes Zentrum der Holzschnitzerei.
Ihr Ursprung liegt in Italien und datiert dort ab dem Jahre 1560. Von Missionaren wurde sie nach Prag gebracht und anschließend in den böhmisch-mährischen Städten volkstümlich.; die erste schlesische Krippe wurde 1584 in Glatz aufgestellt und fand von dort aus ihre Verbreitung ins Gebirge. Nach Mittelwalde und Grulich kam sie erst durch flüchtige oder ausgewiesene Priester während des Dreißigjährigen Krieges. 

Im Reichenauer Gebiet und in Kunwald wurden die ersten Krippen um 1635 aufgestellt und ab 1650 datiert sie in Rokitnitz. Damit war ein völlig neuer Erwerbszweig ins Schlesische und ins Adlergebirge eingezogen und Grulich wurde sein Mittelpunkt. 

Die Reformation förderte die Krippenkunst wenig, dafür erlebte sie in der Gegenreformation eine später nie wieder erreichte Blütezeit. Aus den Perioden des religiösen Gegenschlags stammen Krippen mit üppigster Bemalung als Mittel zu Bekehrung und Glaubensförderung. Und eben um diese Zeit erlebte das Gebirge einen mächtigen Zustrom an Missionaren aus Schlesien; Kronstadt, Rokitnitz, Reichenau und Gießhübel waren die Zentren ihrer Bekehrungsarbeit. Die mitgebrachten Krippen waren der Mittelpunkt von Predigt und Liturgie bei den Weihnachtsgottesdiensten und dienten zu anschaulicher Demonstration. 

Über Krippen von derber Einfachheit als kunstgewerbliches Produkt und bildhauerisch gekonnter Darstellung unterschied sich das Talent. Der Bau des Muttergottesberges (ab 1696), der diesem folgende Wallfahrtsbetrieb und die sehr populäre Marienverehrung regten zu gewerbsmäßiger Herstellung von Krippen an, zumal auch die Nachfrage aus der Bevölkerung einen hohen Absatz versprach. Eine Art Krippe, geboren aus der Volkskunst, hatte anfänglich eine so starke Nachfrage, daß man über die Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten ins Profane nachdenken mußte. Neben dem „Herrgootschnetzler“ plazierte sich die profane Schnitzkunst mit Spielzeug, Pfeifenköpfen, Schachfiguren, man fertigte Jagdszenen und Bilder aus der alltäglichen Arbeit; auch Tierfiguren waren ein beliebtes Motiv, weil sie sich mit Krippenfiguren am besten vereinigen ließen und der Szene Wirklichkeit­scharakter gaben. 

Die Ansprüche an dieses Handwerk wuchsen, der Wettbewerb florierte, aber Qualität hat auch ihren Preis. Allein wegen der Krippen gab es auch protestantische Wallfahrer am Muttergottesberge und in Albendorf, doch die Nachfrage fing an zu stagnieren, als die Preise am Wallfahrer vorbeikalkuliert werden mußten und dennoch kaum Gewinn abwarfen. Den Figuren mußten Kostüme nach Stil und Zeitgeschmack (Barock, Biedermeier, Rokoko) angelegt werden, die Szene im und um Betlehems Stall wurde über Palmen, Dromedare, Kamele und Elefanten angereichert, Menschen in orientalischer Kleidung wurden dem gewählten Milieu angepaßt. Das orientalische Genre entsprach dem Volksgeschmack und gab der Szenerie zusätzliche barocke Gestaltungs­möglichkeiten. Der berühmte Joseph Freiherr von Führich war der gefragteste Maler und Figurenausstatter, er lieferte seine Entwürfe für eine sich ständig veredelnde Werkstatt- und Heimarbeit. Zur Blütezeit arbeiteten in Grulich 16 Drechsler und 6 Staffiererwerkstätten mit bis zu 20 Arbeitsplätzen pro Betrieb in der Hauptsache für den Krippenexport nach Österreich, Polen, Schweden, England und nach den USA und Canada; die Grulicher Krippe war auf diesem Standard nur noch für Kirchenvereine und Ortsgemeinschaften zu bezahlen, für den „Baudenabsatz“ auf dem Muttergottesberge blieb nur noch die einfache Volkskrippe.

Darstellungsformen der Adlergebirgskrippe

Die einfachste Darstellungsform war die „offene Krippe“ in mehr oder weniger geschickter handwerklicher Ausführung. Die „Kastenkrippe“, mit etwa 1 – 1,5 m Länge, mit Figuren bis zu 30 cm hoch, war, gemessen an jener zwar von höherem künstlerischen Wert, fiel aber wiederum in der Zeit der Weiterentwicklung zu drei-, vier- und fünfstöckigen Aufbauten, angeordnet in leicht zurückfallenden Stockwerken, leicht unter die künstlerische Wertung.
Von neuerer Entwicklung ist die „bewegliche Krippe“, eine Krippe mit hochwertig künstlerischer Ausgestaltung und beweglichen Figuren in abgestimmter Szene, betrieben mit Wasserkraft und hergestellt in einer Schnitzzeit, die ein halbes Menschenleben beanspruchte. 

Hinter der Ausstattung der „morgenländischen Krippe“ stand ebenfalls Professor Führich. Sie wiederum hatte sich ganz auf die Darstellung des Lebens im Orient spezialisiert und ihre Thematik in das Gesellschaftliche erweitert (Anbetungsszenen). Die Buntheit in der Ausstaffierung der Figuren, die phantasievolle Nachmalung der Szenerie über Palmen und Dünen imitierte ansprechende Fremdartigkeit, die sich auf buntes morgenländisches Leben spezialisiert hatte. 

In einer weiteren Form, der „Landschaftskrippe“, erkannte der Bewunde­rer die heimische Landschaft einschließlich der Menschen- und der Tierwelt, die „venetianische Krippe“ wartete mit kunstvoll gefertigten Säulen und reich verzierten Portalen auf. 

Solche Wunderwerke wurden nach Glatz und nach Albendorf in bescheidener Zahl geliefert, Experten bezeichneten sie als schier unnachahmliche Kunstwerke. 

Bescheidener und für den Hausgebrauch bestimmt war die dreistufige „Eckkrippe“ (Stall mit Hirten und Königen - Hirtenweide und Engelsverkün­dung - Stadt Betlehem), die ihren Platz im Hergottswinkel fand. Die in einem Korbe beförderte „Tragekrippe“ wurde als Konkurrenz von slowakischen Hausierern angeboten, die bei ihrer Präsentation heimische Weihnachtslieder sangen. 

Das gesamte Spektrum an Krippen umfaßte 18 verschiedene Varianten, die neben den aufgezählten, noch folgende Namen erhielten: Passionskrippe, Bilderbogenkrippe, Kreuzbogenkrippe, Bretterkrippe, Stufenkrippe, Hängekrippe, venetianische Krippe, italienische Krippe, Palmkrippe u.a.

Zeitweiliger und endgültiger Niedergang

Mit dem Ausbruch der schlesischen Kriege (1740) und der Verschlechte­rung des Geldes stellte sich die erste Zäsur in der Entwicklung des Krippengeschäftes ein, die neue Grenzziehung verringerte die Zahl der Wallfahrten auf beiden Seiten. Mit der Regierungsübernahme Kaiser Joseph II. (1780 - 1790) wurde das Wallfahren und Krippenschnitzen verboten, das Krippenlied durfte nicht mehr gesungen werden. Gegen solche Verdikte blieb der Volksglaube aber relativ standhaft, die Pflege des Marienliedes besorgten geheime Konventikel, und als hinter dem Verbot keine polizeiliche Kontrolle stand, hatten sich Wallfahrt und Krippenkult in alter Gewohnheit wieder hergestellt. Kaiser Joseph sah in all dem Treiben eine „kindliche Angewohnheit des Volkes“, welche er mittels popularisierter Aufklärung beseitigen wollte.
Ab 1750 kam ein neuer Werkstoff - das Papiermaché - auf. Der „kleine Mann“, der mit seiner Familie auf Weihnachtsfreuden ohne Krippe nicht verzichten wollte, konnte diese nun billigst selbst herstellen, die Figuren nach Begabung und Geschmack bemalen und ihre Ausgestaltung nach seinen Mitteln vornehmen. Wellpappe oder versteiftes Papier taten denselben Dienst. Der Selbsthersteller schied nunmehr für den Grulicher Markt endgültig aus. 

Mit der Verengung der Märkte suchten die Grulicher Schnitzer eine Ausdehnung ihres Handels im Export, die Krippe wurde Ware. Ihr Vertrieb wurde in die Hände des Zwischenhandels gelegt, in dessen Tasche nun das meiste Geld floß und der den Erzeugerpreis drückte. Von diesem kamen auch die neuen Qualitätsanforderungen nach dem Maßstab günstigster Absetzbarkeit und diese wiederum bestimmte das Preisniveau. Die größten Betriebe (Krause und Bier mit je 20 Gesellen) wurden zu Entlassungen gezwungen. Als alle diese Rettungsmaßnahmen nicht recht griffen, versuchte das Schnitzhandwerk einen Zusammenschluß der Produzenten über die Gründung des „Grulicher Krippenvereins“ (um 1900), der per Eigenvertrieb und über die Ausschaltung des Zwischenhandels einen kurzen Aufschwung verbuchen konnte. 

Der Zusammenbruch der Monarchie brachte den Krippenschnitzern neue Probleme. Die neuen Grenzen wurden Zollschranken, es fehlte bereits an Nachwuchs, die gezeichnete Kriegsanleihe hatte Geldverluste gebracht und die lang andauernde Arbeitslosigkeit (bis 1936) zehrte an der Existenz der Betriebe und der Heimschnitzerei; der Glatzer Markt war zeitweise so gut wie abgebrochen. Die Zahl der Zulieferer hatte sich auf 12 Dörfer beschränkt, und als die Großbetriebe geschlossen hatten, versuchten sich einige Kleinbetriebe (Rotter, Neumann, Stumpf) in einer Existenzrettung, die Erzeugung und Kleinverkauf ab Werk besorgte; leider auch vergeblich. Halten konnte sich dagegen der Schnitzer als Einmannbetrieb, dessen Kunst heute wieder gefragt ist. 

Die Vertreibung der Deutschen brachte das Ende der Grulicher Krippen­schnitzerei, die Fortsetzung beschränkt sich teils auf alte, in der Heimat verbliebene Krippenschnitzer. Der säkularisierte Geist stellte keine Nachfrage nach Krippen, die Misere der ersten Nachkriegsjahre verhinderte das Zusammenführen des ehemaligen Grulicher Vereins und des Adlergebirges und damit scheint sich eine Tradition, die früher Weltruf hatte, zu verlieren, die wenigen geretteten Bestände befinden sich in Museum Jitschin oder in den Händen der Kirchenverwaltungen.

Die Dorfschnitzer im Adlergebirge

„Ooh Fräda, iiwr Frääda, ihr Nockwan kommt ock sahn,

Un satt woas of dr Hääde, fer a Wondr iis geschahn.

S koam geflään a Engl, bei huuchr Mettrnoacht

Dar song a schien Gesängla, doas mr mei Hatze lacht“.

Ein Krippenlied aus dem Adlergebirge
Im oberen Adlergebirge hatte sich die Schnitztradition noch vor jener des Grulicher Ländchens entwickelt. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es hier eine Schnitzerei mehr von der handwerklichen Art, die Haushaltswaren herstellte (Löffel, Teller, Tröge, Schüsseln). Mit großen Karren wurden solche Produkte der Hausindustrie nach Glatz und Breslau transportiert und dort auf den Märkten feilgeboten. Erst von Grulich aus kamen die religiösen Themen in einen nach Belebung ausschauenden Gewerbezweig, der sich als sakrale Kunst über Rokitnitz und Gießhübel bis ins Braunauer Ländchen ausbreitete. 

Erst 1738, als die Fachschule für Holzbearbeitung ihren Unterricht in Grulich aufnahm und einen besonderen Zweig für Bild- und Figurenschnitzerei und Holzreliefgestaltung einrichtete, erhielt auch die Schnitzkunst des Adlergebirges eine bedeutende didaktische Anleitung und wurde auch Zulieferer an Fachpersonal für die Grulicher manuellen Betriebe. Diese Ausbildungsstätte ist der eigentliche Begründer des internationalen Namens der Grulicher und der Adlergebirgler Holzschnitzerei. 

Interesse an Fundorten für Adlergebirgskrippen gibt es genügend, für die Heimatstuben der Vertriebenen sind es seltene und daher gesuchte Kunstwerke. 

So erstanden die Adlergebirgler für ihr Archiv in Waldkraiburg im Jahre 1993 eine Grulicher Krippe, die wir der Sektion Volkskunst zuordnen. 

In der alten Heimat selbst wird der interessierte Besucher noch Krippen jeglichen Typs in den weihnachtlich geschmückten Kirchen vorfinden, doch ist heute nicht mehr feststellbar, wie hoch die Verluste durch Unachtsamkeit, Desinteresse und schwarze Marktgeschäfte geworden sind. Die inzwischen zugesiedelte Neubevölkerung hat die Krippenschnitzerei nicht fortgesetzt, es fehlte sowohl der Künstler als auch der Lehrer und vor allem das Glaubensfundamet, auf welchem religiöse Kunst hätte wachsen können. Die Grulicher Fachschule für Schnitzerei ist heute zweckentfremdet, der neue Staat hat weder Beziehung noch Geld, gewachsenes Kulturgut zu pflegen.

Der Verbleib der Kunstwerke

Berühmte Krippen haben heute ihren hohen Wert und ihre besondere Geschichte. Eine künstlerisch hochwertige aus Rokitnitz, deren Entstehung um 1800 datiert wird, war lange in Familienbesitz, bevor sie im ersten Weltkriege für Lebensmittel eingehandelt wurde und seitdem verschollen blieb. Die bekannte Herrnsdorfer Krippe, verziert mit aus Glas geblasenen Vögeln (Glashütte Schwarzwasser), hatte flächenmäßig die Größe eines kleinen Zimmers. Sie ist seit der Vertreibung verschollen - wahrscheinlich in unbekannten Privatbesitz gefallen.
Namen wie Rolletscheck, Schintag, Utz, Pilz, Feichtinger, Langer und Stumpf zählen zu den bekanntesten Krippenherstellern des oberen Adlergebirges (Gießhübel). Eine im Museum in Reichenau ausgestellte Krippe trägt den Erzeugernamen Utz, jene von der Firma Hartmann wird allweihnachtlich in der Pfarrkirche von Slavonov (bei Gießhübel) aufgebaut. Drei Krippen des Schnitzers Schmoranz aus Pollom, der Schüler der Grulicher Holzfachschule war, wurden nach ihrer Prämierung nach Wien verkauft. Die Gießhübler Krippenkirche, weit und breit das schönste Schnitzwerk im venetianischen Stil, dürfte heute wieder in Kirchenbesitz sein, jene aus der Czerny-Mühle, über deren Verbleib wir ebenfalls wenig wissen, war eine bewegliche, mit Wasserkraft betriebene und an das Mühlenwerk angeschlossene Krippe. 

Eine Chance zur Rettung dieser Kunstwerke gab es für die Deutschen zur Zeit der (meist wilden) Vertreibung nicht, wie weit sie von Kirchengut in Staatseigentum übergingen, ist bekannt, über deren Rückerstattung an die Kirchen wird gegenwärtig verhandelt. Ihr Zustand bedürfte nach fünfzigjähriger Staatsverwaltung dringend der Überholung. (aus: R. Seidel, Holzschnittkunst, TB, 1983, S. 86 f.)

Die Landschaftsarchitektur, unsere Profanbauten

Das typische Adlergebirgshaus, die Bauernhöfe der Grafschaft und des Gesenkes, der Baustil des Friesetaler Wohnhauses und die Anlage unserer Pfarrhäuser und Erbgerichte, all das ist teils typische und damit stilvolle Landschaftsarchitektur, die uns von anderen Siedlungsformen der Nachbarschaft unterscheidet. Außer den befestigten Plätzen und den verfallenen Burgen sind die Erbgerichte mehr nach Zweckmäßigkeit als nach bewußter Stilform erbaut, die Schlösser in Rokitnitz, und besonders jenes in Reichenau, waren Herrensitze, wie wir diese auch im Schlesischen antreffen und die mehrmals ihre Gestalt wechselten. Von der Burg Schildberg ist uns kein Bild überliefert, wahrscheinlich glich sie dem Hohenstädter Herrensitz, bestehend aus geschmücktem Eingangsportal, einem weitläufigen Innenhof in rechteckiger Anordnung, umgeben von wuchtigen Außenmauern. Die ein- bis zweistöckigen Gebäude bargen Wohneinheiten, den Marstall und einen Fahrzeugpark mit entsprechender Ausstattung und weit angelegten Kellereien. Die untersuchten Fundamente der ehemaligen Burg in Schildberg verraten dasselbe Konzept, jedoch in verjüngtem Maßstab.
Stilvolle Bürgerhäuser in unseren Städten waren nicht selten, die romanisch geschwungenen Lauben in Grulich, die ein- und zweistöckigen Häuser am Marktplatz und in den Gassen haben zum Teil stilvolle Renaissancefassaden, das Peschkehaus und die Kubiasvilla in Rothwasser sind mit Stilornamenten des Barock und des Rokoko geziert. 

Unsere öffentlichen Bauten tragen noch sehr stark das Gepräge der Monarchie und verraten damit auch ihre Entstehungszeit. Vergleichen wir die Grulicher mit der Gießhübler und der Bürgerschule von Rothwasser, dann ist dem Baustil eine einheitliche Konzeption nicht abzusprechen und damit fällt dieser zweifelsohne aus dem landschaftlichen Typus. Es ist die schlichte Neorenaissance, wie sie sich in den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts in der Monarchie ausgeprägt hatte, die wir bis heute an den Giebeln unserer Bürgerhäuser bewundern können und die wir in der Grafschaft nicht weniger ausgeprägt vorfinden.

Die sakrale Architektur

Angesprochen auf diese Kunstform wird der Kenner unserer Landschaft zuoberst die bedeutendsten Wallfahrtsorte Maria Albendorf und den Muttergottesberg bei Grulich hervorheben, in welchen sich unser heimisches Barock eine hochdifferenzierte (Albendorf) und eine weit schlichtere Gestalt (in unseren Dekanats- und Pfarrkirchen) gab.
 
 
Kloster Muttergottesberg
 
 

Als beispielhaft für die stilistische Konzeption unserer Kirchen wählen wir die Dekanatskirche in Schildberg, die älteste in unserem Tal. Deren Errichtung und Bewidmung läßt sich bis in das Jahr 1350 zurückverfolgen. Ihren Standort auf dem Burgberge hat sie nicht verändert, ihre Gestalt und Größe in bewegter Geschichte umso öfter. Sie gleicht heute keineswegs jener, die im Jahre 1700 erbaut wurde, da Schwedeneinfälle und Brände einen mehrmaligen Neuaufbau nötig machten. Der letzte fällt, was sie stilistisch ausdrückt, in die Barockzeit. Die Einturm- Fassade mit ihrer klassischen Linienführung (der Muttergottesberg hat eine Doppelturmfassade) verweist auf das frühe Barock, das Gesimse und die vorgezogenen Voluten sind stilechte Charakteristika des späteren. Ihre Nischen, als Plätze für Heiligenfiguren gedacht, stehen heute leer, ein Rundbogen, der die Orgelempore weit in den Kirchenraum trägt, soll vom Plan her der Konzeption des berühmten Balthasar Neumann nachempfunden sein. 

Immer noch ist das Liechtensteinsche Wappen als Ausdruck früherer Patronatsherrschaft vorhanden. Ein halbrund gestalteter Altarraum fügt sich stilvoll in den barocken Innenraum, und ebenso ist der Tabernakel und der gesamte Altar reines Barock. Diese Konzeption wiederholt sich in unseren Pfarrkirchen und Klöstern in mehr oder weniger ausgeschmückter Variation. 

Oberhalb der Stuckverzierung findet ein mächtiges Tonnengewölbe seine Auflage, Kenner sprechen vom „böhmischen Tonnengewölbe“. Der gesamte Baukörper entspricht dem einer Wandpfeilerkirche. Stuckierung und die Deckenfresken verweisen sowohl in Schildberg als auch in Albendorf auf Übergänge vom Spätbarock zum Rokoko, die Wände und Decken der Klosterkirche des Muttergottesberges sind pastellfarben übertüncht. 

Mehrere Seitenaltäre (in Schildberg sind es sieben) finden wir in Kirchen mit besonderen Bestimmungen, sie hatten bei Besuchen der hohen Geistlichkeit mehrere Zelebrationsmöglichkeiten anzubieten. Übergroße Altarbilder, gefaßt in schwere Rahmen mit reicher Ornamentik und Goldauflage sind typisch für unsere Pfarrkirchen, an den Gnadenorten nimmt das Bild der heiligen Jungfrau (als Relief oder Figur) den Mittelpunkt des Altares ein, die meisten Altarbilder zeigen den Schutzpatron/die Schutzpatronin und werden von Kennern auf die Nazarenerschule zurückgeführt. 

Die Pfarrkirchen der Vikariate Groß Stiebnitz und Grulich haben mehr oder weniger barocke Ausprägungen des Innenraumes, die Dekanatskirche in Schildberg ist die stilistisch wohl reinste Form, einschließlich ihres Zwiebelturmes und wird daher auch der „Dom des Friesetales“ genannt. 

Das schlesische Barock von Mittelwalde bis ins Niederglätzische kennt eine reichere Form von Stuckierung und figürlichen Darstellungen als unsere Baustile im Gebirge. Die Kirchen im Sprengel sind meistens keine Säulenkirchen, sie unterscheiden sich wesentlich im Turmbau, weniger wesentlich in der Anlage der Baukörper und tragen im Innenraum ebenfalls barockes Gepräge. So erhielt die Pfarrkirche in Mähr.-Rothwasser, geweiht dem hl. Matthäus, nach der letzten Renovierung eine besonders teuere und stilvolle Innendekoration. 

In der Grundkonzeption waren für unsere Pfarrkirchen ein Hauptaltar und zwei Nebenaltäre vorgesehen. 

Beurteilen wir unsere Landschaft nach Zeugnissen ihres Kulturschaffens, dann haben wir die Schwerpunkte Bau- Malkunst und Bildhauerei und innerhalb dieser wiederum die sakrale Kunstform als besondere Disziplinen schöpferischer Tätigkeit hervorzuheben.


 
 

Rothwasser, Kirche, Pfarrei und Kubiasvilla