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Reinhart-Koselleck-VW-Graduiertenprogramm an der Universitatea de Vest, Temeswar, in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der RWTH Aachen

Begriffsgeschichte“ als Dekonstruktion gesellschaftlicher und politischer Kommunikation in Rumänien, 19. und 20. Jahrhundert. 
Erprobung einer deutschen Perspektive der Geschichtsschreibung


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„Die Begriffe und deren sprachliche Geschichte zu untersuchen gehört so sehr zur Minimalbedingung, um Geschichte zu erkennen, wie deren Definition, es mit menschlicher Gesellschaft zu tun zu haben.“        

Reinhard Koselleck: Begriffsgeschichten. Frankfurt 2006.


Gliederung

Das Projekt
Aktuelles
          Feierliche Eröffnung
Ausschreibung 2009
Thema, Konzept, Zielsetzung
Bedeutung der „Begriffsgeschichte“ für Rumänien
Die Fragestellung der „Begriffsgeschichte“
Der methodische Zugang
Zielsetzung
Struktur und Aufbau
Leitung
Wissenschaftlicher Beirat
Koordination
Die KollegiatInnen
          Mihaela Popescu
          Henriete-Elfride Richer
          Alexandru Zidaru
Lehrveranstaltungen und Konferenzen
Publikationen
Förderer
Kontakt

Das Projekt

Im Herbst 2008 beginnt an der Universitatea de Vest in Temesvar/Rumänien ein insgesamt vierjähriger Studienzyklus für Doktoranden und Postdoktoranden zum Thema „Begriffsgeschichte“. Ziel ist die Erprobung einer deutschen Perspektive der Geschichtsschreibung auf das rumänische 19. und 20. Jahrhundert. Die NachwuchswissenschaftlerInnen durchlaufen ein umfangreiches, abgestimmtes Programm: zu Geschichtstheorie und historischem Vergleich, zu historischen und politischen Denkstrukturen in Rumänien, zu literatur- und sprachwissenschaftlichen Analysetechniken. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der von Reinhard Koselleck geprägten „Begriffsgeschichte“, denn Ziel der Einzelprojekte ist es, begriffsgeschichtlichen Veränderungen im Rumänischen bis in die Gegenwart zu verfolgen. Rumänien kann als ein Land von Ungleichzeitigkeiten beschrieben werden, mit differierenden politisch-sozialen Regimen und deren sprachlichen Ausformungen, einer bis heute unvollendeten Mo­dernisierung, und sicherlich auch als Ort vielfacher Begriffsüberlagerungen. Letztere gilt es herauszuarbeiten. Auf diesen Seiten laden wir Sie ein, sich näher mit dem Projekt und den beteiligten WissenschaftlerInnen zu beschäftigen.

Das Graduiertenkolleg wird im Rahmen des Förderschwerpunkts „Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas“ von der Volkswagen-Stiftung unterstützt.

Aktuelles

Feierliche Eröffnung

Am 31. Oktober 2008 wurde das Graduiertenkolleg in offiziellem Rahmen an der Hochschule in Temesvar vorgestellt. Dazu waren anwesend die Kollegleitung, das Rektorat der UVT, Stadtpolitiker, Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates, interessierte Masteratsstudierende sowie Pressevertreter.

Artikel aus der rumänischen Presse:

http://www.jurnalul.ro/articole/137570/programul-reinhart-hoselleckpremiera-in-europa-de-est
http://www.gardianul.ro/2008/06/06/societate-c12/scoala_doctorala_internationala_de_istorie_conceptuala_se_deschide_in_premiera_la_timisoara-s115104.html

Ausschreibung 2009

Die Ausschreibung richtet sich an…
… DoktorandInnen aus verschiedenen Ländern, die über sehr gute Deutschkenntnisse und ausgezeichnete (passive) Rumänischkenntnisse verfügen und ein überdurchschnittliches Interesse an rumänischer Geschichte und historischer Theorie aufweisen können.

Die Graduiertenschule ...
.... findet in Temesvar an der Universitatea de Vest statt, wird darüber hinaus vom Lehrstuhl für Neuere Geschichte der RWTH Aachen mit betreut. Die Verlegung des Wohnsitzes nach Temesvar für die maximal dreijährige Förderung des Promotionsvorhabens ist Voraussetzung. Das monatliche Stipendium beträgt 550 Euro. Zudem können mit kleinen Beträgen Forschungsreisen unterstützt werden.
Dissertationen in rumänischer Sprache werden an der Universitatea de Vest eingereicht, deutsch- und englischsprachige Dissertationen, falls erwünscht, auch an der RWTH Aachen. Die Verantwortlichen bemühen sich, falls von den Stipendiaten angestrebt, eine "Co-Tutelle" zu realisieren. Nachdem in diesem Herbst drei BewerberInnen erfolgreich waren, stehen weitere fünf Studienplätze offen. 

„Begriffsgeschichte“ …
…verspricht Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen, die die Wissenschaftlichkeit der Historik unmittelbar tangieren: Warum muss Geschichte immer wieder neu geschrieben werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Orientierungsleistung von Geschichte verbessert wird? Wie wird ein bereits gedeuteter, überlieferter narrativer Vorstellungskomplex in den Horizont gegenwärtigen Bewusstseins geholt?
„Begriffsgeschichte“ thematisiert soziale Sinnzuschreibungen im historischen Zusammenhang und sie beschreibt damit den Aspekt der Kultur, also der Verständigung über Zeichen und Symbole, der individuellen Entäußerung und der situativen Anpassung und Neuerfindung. Sie fragt danach, warum sich bestimmte Begriffe, „Grundbegriffe“, durchgesetzt haben, welche Vorstellungswelten die Begriffe bündeln, was sie ausschließen, verdecken, offenlegen, wer mit welcher Absicht sie in den politischen Diskurs eingebracht hat und wie die Begriffe in der Öffentlichkeit lanciert wurden, was sie zu nützlichen politisch-sozialen Termini gemacht hat und welche Zukunftsvorstellungen sie enthalten.

In Rumänien…
… ist der politische Diskurs bis in die Gegenwart geprägt durch ein Aneinander-Vorbeireden der politisch Verantwortlichen, man könnte sagen, durch eine monologische Kultur. Begriffe haben Signalfunktion für die eigene Anhängerschaft, zielen aber nicht auf eine Verständigung zwischen den differierenden Gruppen.
Deshalb vermag „Begriffsgeschichte“ aufzuklären über den kommunikativen Modus in Rumänien und Einsicht in die historische, politische und soziale Bedingtheit von Begriffen zu eröffnen. Die Dekonstruktion der Begriffe zielt auf Bewusstwerdung und ermöglicht dadurch die Suche nach neuen und geeigneteren sprachlichen Repräsentationen von Identität und gesellschaftlicher Ordnung. „Begriffsgeschichte“ erlaubt zukünftig vielleicht einen sorgfältigeren Umgang mit Sprache, zielt in jedem Fall auf eine neue politische Kultur.

Leitfragen:
Alle geplanten Dissertationen und Aufsätze sollen vergleichbare Fragestellungen aufgreifen. Im Folgenden seien die zentralen Hinsichten genannt:
1.) Wann, wie und wo entstanden neue Bedeutungszuweisungen zu Begriffen? 2.) Warum und in welchem Kontext setzten sie sich durch? 3.) Wiefern spiegeln sich in den Begriffen unterschiedliche Identitätskulturen wider (vom Mittelalter bis in die Gegenwart) und wiefern erhielten die Begriffe im Verlaufe der Zeit immer neue Bedeutungen? 4.) Lassen sich Konjunkturen der Begriffsverwendung herausarbeiten? 5.) Welche Begriffsgemeinschaften sind zu unterscheiden? 6.) Sind sie sozial geschieden oder besser mit einem Terminus wie Milieu charakterisiert? 7.) Eignen sich die Begriffe als Indikatoren einer spezifisch rumänischen „Kommunikationsgeschichte“? 8.) Wie veränderten sich die Begriffe im Zuge des Transfers aus anderen Kulturen in die rumänische Sprache? 9.) Welche Unterschiede in der „Begriffsgeschichte“ zeigt der Vergleich mit Westeuropa bei Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur? 10.) Welche Selbstverpflichtung implizierte die Verwendung von Begriffen und inwiefern zielte die Nutzung von Begriffen darauf, Realitäten zu schaffen?

Wortfelder
Im Folgenden werden einige der aus unserer Sicht für das Verständnis der Vergangenheit und Gegenwart Rumäniens wichtigen Wortfelder mit ihren Antonymen aufgeführt. Alle diese Grundbegriffe sind im rumänischen Kontext höchst umstritten und deshalb Gegenstand politischen Ringens, zugleich benötigen Außenstehende zu ihrem Verständnis einer ausführlichen Erläuterung.

1.    Români, cetăţeni, tovarăşi, concitadini – bozgori, jidani, ţigani,

2.    Economie modernă, capitalism, liberalism, liberalism românesc – poporanism, ţărănism, corporatism, communism, economie planificată

3.    Drepturile omului, drepturile fundamentale, drepturile cetăţenilor – drepturile collective, drepturile naţiunii

4.    Neam, popor, naţiune, cultura naţională – minoritate, străin, păgân, multiculturalism

5.    Europa, european, europenism, europenitate, Europa centrală, Europa de sud-est, Europa est-centrală – naţionalism, autohtonism, orientalism, creştinism, ortodoxism, balcanism

6.    Regionalism, federalism, subsidiaritate – centralism, unitate, independenţă

7.    Libertate, dreptate – despotism, arbitrariu, stăpânire, jug

8.    Legendă, cronică, istorie – ideologie, mitologie

9.    Modern, modernitate, societate – tradiţie, organicitate, comunitate

10.  Politică, occidentalism, om politic – politicianism, bizantinism, nepotism, politician

11.  Monarhie, paternalism, autoritarism, preşedinţie, şefie, conducător, căpitan – republică, democraţie, pluralism, parlament, parlamentarism

12.  Guvern, loialitate, loial – opoziţie, opozant

13.  Presă, sfera publică – cenzură, scandal

14.  Tranziţie, criză – stabilitate, continuitate

15.  Corupţie, nepotism, familiarism, birocraţie – corectitudine, responsabilitate, administraţie

16.  Proprietate, pământ, posesiune, moştenire, egolatrie - egalitate socială / bine de obşte, expropriere, solidaritate

17.  Elită intelectuală, elită politică – masă populară, popor, prostime

18.  Bărbat, masculinitate, emancipare – femeie, feminitate, discriminare

19.  România, român, românesc, românitate, noi – străinătate, străin, străinii, ei

20.  Ţăran, rural – orăşan, urban

21.  Revoluţie, revoltă, lovitură de stat – reformă, pace, alegeri

Quellengrundlagen der Untersuchungen können sein: Übersetzungs- und Fachwörterbücher, Übersetzungen von Werken zu Politik, Gesellschaft und Philosophie, Klassikertexte zur rumänischen Zivilisation und Geschichte, Schulbücher, historisch-politische Darstellungen in Publikumszeitschriften sowie aktuelle Leitartikel, Reden, Briefe und Fernsehdiskussionen.

Aufnahmeregeln
Alle Doktoranden und Postdoktoranden werden in einem internationalen Ausschreibeverfahren ausgewählt. Grundlage für die Auswahl werden ausführliche Exposés der Interessenten zu den Themen des Graduiertenkollegs sein. Die besten Bewerberinnen und Bewerber werden nach Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat selektiert. Alle Kollegiat/innen müssen Deutsch soweit beherrschen, dass sie Lehrveranstaltungen in deutscher Sprache folgen können.

Einzureichen sind (in Deutsch, Englisch oder Rumänisch) bis zum 31. Januar 2009:
- ein Exposé von bis zu 5 Seiten
- ein tabellarischer Lebenslauf
- Angaben zum Abschlusszeugnis
- Aussagen zu den Sprachkenntnissen
- ein Gutachten über die bisherigen Studienleistungen  (direktes E-mail des Gutachters an die Koordinatorin)

Kontakt:
per Mail an Valeska Bopp-Filimonov (wissenschaftliche Koordinatorin): Valeska.Bopp-Filimonov@rwth-aachen.de


Thema, Konzept, Methode


Bedeutung der „Begriffsgeschichte“ für Rumänien
Die Fragestellung der „Begriffsgeschichte“
Der methodische Zugang
Zielsetzung

Bedeutung einer „Begriffsgeschichte“ für Rumänien

„Begriffsgeschichte“ ist Geschichtswissenschaft. Sie handelt von vergangenen Gesellschaften und dem, was diese uns als Sprachmaterial und kulturellen und sozialen Denkstrukturen überlassen haben.
Die deutsche „Begriffsgeschichte“ geht zurück auf Reinhart Koselleck, der  das Konzept seit den 1950er Jahren kontinuierlich ausformte und es parallel zur französischen Diskursgeschichte oder der anglo-amerikanischen New Intellectual History entwickelte. Wie in jenen spiegelt sich auch in Kosellecks Überlegungen die Überzeugung einer formenden Kraft der Sprache wider, in der das Geschehen, also die Geschichte, auf den Begriff gebracht und zugleich Geschichte unmittelbar gestaltet werde.
Koselleck stellte die sprachliche Bewusstwerdung historischer Sachverhalte in den Mittelpunkt seiner Untersuchung und fragte nach den politisch und sozial gebrochenen Deutungsvarianten. Damit öffnete er sich bereits Ende der 1950er Jahre jenen Sichtweisen, die heute mit dem Begriff des „linguistic turn“ verbunden sind. Andererseits entwickelte Koselleck sein Konzept aus einer spezifisch deutschen Tradition heraus. Breiter in der Quellengrundlage und stärker interdisziplinär als die New Intellectual History, hat Koselleck die deutsche geistesgeschichtliche Tradition aufgegriffen. Damit hat er, damals durchaus neu, Geschichte als Deutungskampf interpretiert. Koselleck ging es darum, nach der Erfahrung des Nationalsozialismus die Verfügbarkeit von Begriffen einzuschränken und Sensibilität gegenüber der politischen Sprache zu wecken.
In auffallender Weise entspricht die Ausgangssituation Rumäniens derzeit der Lage in Deutschland nach 1945. In beiden Fällen ging und geht es darum, durch Sprachbewusstsein die Voraussetzung für eine demokratische politische Kultur zu schaffen. Nur wenn „Volk“ oder „Nation“, um zwei Beispiele „imaginierter Totalisierungen“ zu nennen, als Konstrukte der Neuzeit kenntlich gemacht werden, die dazu immer wieder neue inhaltliche Besetzungen erhalten, können Vereinnahmungen selbstbewusst abgewehrt werden.

Die Fragestellung der „Begriffsgeschichte“

 „Begriffsgeschichte“ verspricht Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen, die die Wissenschaftlichkeit der Historik unmittelbar tangieren: Warum muss Geschichte immer wieder neu geschrieben werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Orientierungsleistung von Geschichte verbessert wird? Wie wird ein bereits gedeuteter, überlieferter narrativer Vorstellungskomplex in den Horizont gegenwärtigen Bewusstseins geholt?
Indem Koselleck dem Sprachwandel in der Sattelzeit 1750-1850 und damit der Herausbildung der Sprache der Moderne nachspürte, suchte er zugleich die methodischen Regeln systematischer Sprachvergewisserung herauszuarbeiten, also die Deutung von Erfahrungen aus der Vergangenheit, die Ordnung der Dinge als Differenzerlebnis und die säkulare Selbstbescheidung.
„Begriffsgeschichte“ thematisiert soziale Sinnzuschreibungen im historischen Zusammenhang und sie beschreibt damit den Aspekt der Kultur, also der Verständigung über Zeichen und Symbole, der individuellen Entäußerung und der situativen Anpassung und Neuerfindung. Sie fragt danach, warum sich bestimmte Begriffe, „Grundbegriffe“, durchgesetzt haben, welche Vorstellungswelten die Begriffe bündeln, was sie ausschließen, verdecken, offenlegen, wer mit welcher Absicht sie in den politischen Diskurs eingebracht hat und wie die Begriffe in der Öffentlichkeit lanciert wurden, was sie zu nützlichen politisch-sozialen Termini gemacht hat und welche Zukunftsvorstellungen sie enthalten.

Der methodische Zugang

Im Zentrum steht die Untersuchung von „Grundbegriffen“. „Grundbegriffe“ sind Begriffe, in denen sich eine ganze Epoche verdichtet und die zugleich den Gegenstand erst formen, von dem sie sprechen. Es handelt sich um Begriffe, die nicht abbilden, sondern „Welten“ beschreiben, die mehrdeutig sind und daher umstritten. Reinhart Koselleck sprach von den „Grundbegriffen“ als „Indikatoren“ und „Faktoren“ der Entwicklung. In „Grundbegriffen“ spiegeln sich Ideologien. Sie sind strittig, dem öffentlichen Diskurs ausgesetzt, und gleichwohl unersetzbar. Grundbegriffe unterliegen, wie Jörn Leonhard gezeigt hat, Phasen der Entwicklung von der präpolitischen Bedeutungsdimension über die „Politisierung“ zur Ideologisierung. Damit unterliegen sie einem sich immer wieder verändernden Deutungskampf. Grundbegriffe lassen sich nicht nominalistisch fassen, nicht einfach definieren, sondern müssen im jeweiligen Kontext expliziert werden. Im Unterschied zu „Quellenbegriffen“, die abgeschlossene Vergangenheit repräsentieren, sind „Grundbegriffe“ auch in der Gegenwart noch offen.

Mit Hilfe der „Grundbegriffe“ wird Identität konstruiert. Ihre Untersuchung ermöglicht das Aufzeigen von Zuschreibungen, Vereinnahmungen, Abgrenzungen. Kontinuitäten und Brüche im gesellschaftlichen und politischen Diskurs deckt „Begriffsgeschichte“ auf und damit Identitätsunterschiede und Identitätskonflikte. „Volk“, um ein Beispiel aufzugreifen, ist ein abstrakter Begriff, der ganz unterschiedliche Formen der „Volkszugehörigkeit“ zulässt. Wer zum „Volk“ gehört und wer nicht, das ist das Thema der „Begriffsgeschichte“. Indem „Begriffsgeschichte“ „Begriffe“ und „Texte“ zusammenbringt, beschreibt sie „Vorstellungswelten“, schildert sie die mediale Vermittlung der „Ideen“ und deutet sie die Auseinandersetzung um Begriffe als Machtkämpfe.

Zielsetzung

Der rumänische Kulturraum ist bereits seit längerem Gegenstand sprach- und geistesgeschichtlicher Untersuchungen. Doch umfassende begriffsgeschichtliche Studien, die nicht (nur) die Entwicklung von Sprache und die Historizität von Worten thematisiert, sondern sich für solche Begriffe interessiert, die im politisch-sozialen Wandel „neu“ entstanden sind, diesen Wandel zeitweise auf den Begriff gebracht und selbst Geschichte geschrieben haben, gibt es bisher lediglich für bestimmte Aspekte und Epochen.

Darüber hinaus lässt „Begriffsgeschichte“ sich in ihren verschiedenen Variationen als „europäische“ Form des Umgangs mit Vergangenem verstehen, nämlich (a) als Aneignung und Abwehr transnational-europäischer Spracheinflüsse und (b) als spezifisch europäischer Modus der Bewäöltigung des Vergangenen durch Kontextualisierung und Kritik.  „Begriffsgeschichte“ zu Rumänien dient daher der sprachlichen Selbstvergewisserung Europas sowie der Schaffung eines europäischen Kulturraums, der sich seiner gegenseitigen Durchdringung, freilich auch der Labilität der politischen Kulturen bewusst ist.

Struktur und Aufbau des Graduiertenkollegs


Leitung

Das Graduiertenkolleg wird am Lehrstuhl für Geschichte der Universitatea de Vest in Temesvar eingerichtet. Hier erhielt Reinhart Koselleck 2005, kurz vor seinem Tod, die Ehrendoktorwürde der Universität.

Prof. Dr. Victor Neumann hat bereits mehrere Bücher zur rumänischen „Begriffsgeschichte“ verfasst und Studierende zu Abschlussarbeiten im Bereich der „Begriffsgeschichte“ herangeführt.
E-Mail:  vneumann(at)litere.uvt.ro

Prof. Dr. Armin Heinen ist für Rumänien vor allem mit Arbeiten zum Faschismus und zum Holocaust bekannt geworden. Er begleitet das Kolleg von deutscher Seite.
E-Mail: armin.heinen(at)post.rwth-aachen.de

Wissenschaftlicher Beirat

Ein Wissenschaftlicher Beirat wacht über die Funktion des Graduiertenkollegs und sichert dessen wissenschaftliche Qualität. Alle Dissertationen bedürfen eines (zusätzlichen) Gutachtens durch ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats. Ebenso dürfen Publikationen nur dann veröffentlicht werden, wenn der Wissenschaftliche Beirat zugestimmt hat. Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates sind vorrangig als Gastdozenten anzusprechen. Ihnen obliegt es, Anregungen zur wissenschaftlichen Arbeit zu geben, das Graduiertenkolleg im internationalen Kontext zu verankern und Kontakte der Doktoranden zu wissenschaftlichen Institutionen innerhalb und außerhalb Rumäniens herzustellen. Insbesondere unterbreiten sie Namensvorschläge für Gastwissenschaftler und mögliche Doktoranden.
Die Zusammensetzung des Wissenschaftlichen Beirats soll die Verankerung in der internationalen Geschichtswissenschaft sicherstellen und einen interdisziplinären Zugriff auf das Thema "Begriffsgeschichte" gewährleisten.

Koordination

Valeska Bopp-Filimonov, M.A. Kulturwissenschaften. Doktorandin am Historischen Seminar der Universität Leipzig zum Thema „Erinnerungen an den Kommunismus in Rumänien. Familienbiographien im Prozess gesellschaftlicher Transformation“
E-Mail:  Valeska.Bopp-Filimonov@rwth-aachen.de

Die KollegiatInnen


Seit dem 1. Okober 2008 werden von der VW-Stiftung für ihre wissenschaftlichen Studien gefördert:

Mihaela Popescu

(geb. 1979), hat an der Universitate de Vest in Temesvar zwei Studiengänge absolviert: zwischen 1998 und 2002 hat sie Journalistik und Französisch studiert und von 2002 bis 2006 Geschichte und Italienisch. Ihren Abschluss in Geschichte machte sie bei Prof. Victor Neumann. Anschließend spezialisierte sie sich im Master-Studiengang « Mittelalterliche Geschichte » an der Universität Anger in Frankreich. Für ihre Master-Arbeiten (Les croix et les crucifix dans les églises de Rome entre VIIe et XIIIe siècle und Le Christ serein dans l’art italien médiévale) erhielt sie jeweils die Note « sehr gut ». Auf Grund dieser Studienleistungen wurde ihr Aufenthalt in Anger mit einem Stipendium von der rumänischen Regierung unterstützt. In ihre Masterarbeiten sind Materialien aus zwei Forschungsaufenthalten eingeflossen: Sie war am Institut Français in Rom und hat mit Eric Palazzo vom Centre d´Études Médiévales der Universität Poitiers in Frankreich zusammengearbeitet. Das Thema ihrer Dissertation am Graduiertenkolleg ist der Begriff des "creştinism" für das orthodoxe und griechisch-katholische Milieu des 19. und 20. Jahrhunderts.

Henriete-Elfride Richer

(geb. 1984), Lizenziatin in Soziologie, studierte von 2003 bis 2007 Soziologie an der Fakultät für Soziologie und Psychologie an der Universitatea de Vest in Temeswar. Anschließend absolvierte sie von 2007 bis 2008 eine post-universitäre didaktisch-orientierte Ausbildung  im Bereich Bildungs- und Schulmanagement. Im Laufe ihres Studiums nahm sie an zahlreichen Forschungsprojekten zu regionaler Entwicklung, kultureller Identität und der Rolle ländlicher Gemeinschaften teil. Ebenso ist sie Co-Autorin von didaktischen Lehrwerken, unter anderem zur Stadt- und Regionalsoziologie. Seit Oktober 2008 ist sie Doktorandin im Rahmen des Graduiertenkollegs für Begriffsgeschichte an der Universitatea de Vest in Temesvar und arbeitet zu dem Begriffspaar „Bauer/ländlich – Städter/städtisch“ für  die Regionen Banat und Muntenien im 19. und 20. Jahrhundert.

Alexandru Zidaru

(geb. 1982), Lizenziat in Geschichte, hat an den Universitäten Craiova und Bielefeld Geschichte studiert und sein Studium 2005 abgeschlossen. Anschließend hat er im Rahmen des Promotionsstudiengangs Geschichte an der Universität Craiova seine Doktorarbeit „Die Hohenzollern-Monarchie in Rumänien und die deutsch-rumänischen Beziehungen 1883 – 1914“ verfasst (ggw. im Abschlussverfahren). Sein Forschungsgebiet im Rahmen des Graduiertenkollegs sind die semantischen Transfers der Begriffe „neam“, „popor“ und „natiune“ und ihre pragmatische Anwendung in der rumänischen Politik und Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts. Weitere Interessenschwerpunkte gelten der Nationalismusforschung, transnationalen Kulturtransfers  und der Politikgeschichte.


************* Weitere fünf Plätze sind zu vergeben! Beachten Sie die Ausschreibung 2009! *************

Lehrveranstaltungen und Konferenzen


Gegenwärtig nehmen die ersten drei StipendiatInnen, die den Sprung in das Kolleg geschafft haben, an Veranstaltungen des  allgemeinen Doktorandenprogramms der Geschichtsfakultät an der Universitate de Vest teil. Ab dem zweiten (Sommer-)Semester 2009 werden wir hier über speziell für die StipendiatInnen konzipierte  Lehrveranstaltungen sowie die Konferenzen informieren.

Publikationen


Gegenwärtig liegen noch keine Publikationen vor.

Förderer


Seit Oktober 2008 fördert die VW-Stiftung die Einrichtung eines deutsch-rumänischen Graduiertenprogramms zur rumänischen Begriffsgeschichte an der Universität Temeswar. Die Laufzeit beträgt vier Jahre.
Die Universitate de Vest in Temesvar unterstützt das Vorhaben mit technischer Ausstattung und der Sanierung eines eigenen Gebäudes auf dem Wissenschaftscampus im Stadtzentrum, das die Graduiertenschule voraussichtlich im nächsten Jahr beziehen kann.

Kontakt


Verantwortlich: armin.heinen(at)post.rwth-aachen.de und vneumann(at)litere.uvt.ro
Organisation: Valeska.Bopp-Filimonov@rwth-aachen.de