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Reinhart-Koselleck-VW-Graduiertenprogramm
an der Universitatea de Vest, Temeswar, in Zusammenarbeit mit dem
Historischen Institut der RWTH Aachen
„Begriffsgeschichte“ als Dekonstruktion gesellschaftlicher und politischer Kommunikation in Rumänien, 19. und 20. Jahrhundert. Erprobung einer deutschen Perspektive der Geschichtsschreibung
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„Die Begriffe und deren sprachliche Geschichte zu untersuchen gehört so sehr zur Minimalbedingung, um Geschichte zu erkennen, wie deren Definition, es mit menschlicher Gesellschaft zu tun zu haben.“ Reinhard Koselleck: Begriffsgeschichten. Frankfurt 2006. |
GliederungDas ProjektAktuelles Feierliche Eröffnung Thema, Konzept, Zielsetzung Bedeutung der
„Begriffsgeschichte“ für Rumänien
Struktur und AufbauDie Fragestellung der „Begriffsgeschichte“ Der methodische Zugang Zielsetzung Die KollegiatInnen Mihaela Popescu Henriete-Elfride Richer Alexandru Zidaru Lehrveranstaltungen und Konferenzen Publikationen Förderer Kontakt |
Das ProjektIm Herbst 2008 beginnt an der Universitatea
de Vest in Temesvar/Rumänien ein insgesamt vierjähriger Studienzyklus für
Doktoranden und Postdoktoranden zum Thema „Begriffsgeschichte“. Ziel ist die
Erprobung einer deutschen Perspektive der Geschichtsschreibung auf das
rumänische 19. und 20. Jahrhundert. Die NachwuchswissenschaftlerInnen durchlaufen
ein umfangreiches, abgestimmtes Programm: zu Geschichtstheorie und historischem
Vergleich, zu historischen und politischen Denkstrukturen in Rumänien, zu literatur-
und sprachwissenschaftlichen Analysetechniken. Im Zentrum steht die
Auseinandersetzung mit der von Reinhard Koselleck geprägten
„Begriffsgeschichte“, denn Ziel der Einzelprojekte ist es,
begriffsgeschichtlichen Veränderungen im Rumänischen bis in die Gegenwart zu
verfolgen. Rumänien kann als ein Land von Ungleichzeitigkeiten beschrieben
werden, mit differierenden politisch-sozialen Regimen und deren sprachlichen
Ausformungen, einer bis heute unvollendeten Modernisierung, und sicherlich
auch als Ort vielfacher Begriffsüberlagerungen. Letztere gilt es
herauszuarbeiten. Auf diesen Seiten laden wir Sie ein, sich näher mit dem
Projekt und den beteiligten WissenschaftlerInnen zu beschäftigen. |
AktuellesFeierliche EröffnungAm 31. Oktober 2008 wurde das Graduiertenkolleg in offiziellem Rahmen an der Hochschule in Temesvar vorgestellt. Dazu waren anwesend die Kollegleitung, das Rektorat der UVT, Stadtpolitiker, Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates, interessierte Masteratsstudierende sowie Pressevertreter.Artikel aus der rumänischen Presse: http://www.jurnalul.ro/articole/137570/programul-reinhart-hoselleckpremiera-in-europa-de-est http://www.gardianul.ro/2008/06/06/societate-c12/scoala_doctorala_internationala_de_istorie_conceptuala_se_deschide_in_premiera_la_timisoara-s115104.html |
Ausschreibung 2009Die Ausschreibung richtet sich an…
… DoktorandInnen aus verschiedenen Ländern, die
über
sehr gute Deutschkenntnisse und ausgezeichnete (passive)
Rumänischkenntnisse verfügen und ein
überdurchschnittliches Interesse an rumänischer
Geschichte
und historischer Theorie aufweisen können.
Die Graduiertenschule ...
.... findet in Temesvar an der Universitatea de Vest statt, wird
darüber hinaus vom Lehrstuhl für Neuere Geschichte
der RWTH
Aachen mit betreut. Die Verlegung des Wohnsitzes nach Temesvar
für
die maximal dreijährige Förderung des
Promotionsvorhabens ist Voraussetzung.
Das
monatliche Stipendium beträgt 550 Euro. Zudem können mit
kleinen Beträgen Forschungsreisen unterstützt werden.
Dissertationen in
rumänischer Sprache werden an der
Universitatea de Vest eingereicht, deutsch- und
englischsprachige
Dissertationen, falls erwünscht, auch an der RWTH Aachen. Die
Verantwortlichen bemühen sich, falls von den Stipendiaten
angestrebt, eine "Co-Tutelle" zu realisieren. Nachdem in diesem Herbst
drei BewerberInnen erfolgreich waren, stehen weitere fünf
Studienplätze offen.
„Begriffsgeschichte“ …
…verspricht Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen, die die
Wissenschaftlichkeit der Historik unmittelbar tangieren: Warum muss
Geschichte immer wieder neu geschrieben werden? Wie kann sichergestellt
werden, dass die Orientierungsleistung von Geschichte verbessert wird?
Wie wird ein bereits gedeuteter, überlieferter narrativer
Vorstellungskomplex in den Horizont gegenwärtigen Bewusstseins
geholt?
„Begriffsgeschichte“ thematisiert soziale
Sinnzuschreibungen im historischen Zusammenhang und sie beschreibt
damit den Aspekt der Kultur, also der Verständigung
über
Zeichen und Symbole, der individuellen Entäußerung
und der
situativen Anpassung und Neuerfindung. Sie fragt danach, warum sich
bestimmte Begriffe, „Grundbegriffe“, durchgesetzt
haben,
welche Vorstellungswelten die Begriffe bündeln, was sie
ausschließen, verdecken, offenlegen, wer mit welcher Absicht
sie
in den politischen Diskurs eingebracht hat und wie die Begriffe in der
Öffentlichkeit lanciert wurden, was sie zu nützlichen
politisch-sozialen Termini gemacht hat und welche Zukunftsvorstellungen
sie enthalten.
In Rumänien…
… ist der politische Diskurs bis in die Gegenwart
geprägt
durch ein Aneinander-Vorbeireden der politisch Verantwortlichen, man
könnte sagen, durch eine monologische Kultur. Begriffe haben
Signalfunktion für die eigene Anhängerschaft, zielen
aber
nicht auf eine Verständigung zwischen den differierenden
Gruppen.
Deshalb vermag „Begriffsgeschichte“
aufzuklären
über den kommunikativen Modus in Rumänien und
Einsicht in die
historische, politische und soziale Bedingtheit von Begriffen zu
eröffnen. Die Dekonstruktion der Begriffe zielt auf
Bewusstwerdung
und ermöglicht dadurch die Suche nach neuen und geeigneteren
sprachlichen Repräsentationen von Identität und
gesellschaftlicher Ordnung. „Begriffsgeschichte“
erlaubt
zukünftig vielleicht einen sorgfältigeren Umgang mit
Sprache,
zielt in jedem Fall auf eine neue politische Kultur.
Leitfragen:
Alle geplanten Dissertationen und Aufsätze sollen
vergleichbare
Fragestellungen aufgreifen. Im Folgenden seien die zentralen Hinsichten
genannt:
1.) Wann, wie und wo entstanden neue Bedeutungszuweisungen zu
Begriffen? 2.) Warum und in welchem Kontext setzten sie sich durch? 3.)
Wiefern spiegeln sich in den Begriffen unterschiedliche
Identitätskulturen wider (vom Mittelalter bis in die
Gegenwart)
und wiefern erhielten die Begriffe im Verlaufe der Zeit immer neue
Bedeutungen? 4.) Lassen sich Konjunkturen der Begriffsverwendung
herausarbeiten? 5.) Welche Begriffsgemeinschaften sind zu
unterscheiden? 6.) Sind sie sozial geschieden oder besser mit einem
Terminus wie Milieu charakterisiert? 7.) Eignen sich die Begriffe als
Indikatoren einer spezifisch rumänischen
„Kommunikationsgeschichte“? 8.) Wie
veränderten sich
die Begriffe im Zuge des Transfers aus anderen Kulturen in die
rumänische Sprache? 9.) Welche Unterschiede in der
„Begriffsgeschichte“ zeigt der Vergleich mit
Westeuropa bei
Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur? 10.) Welche
Selbstverpflichtung implizierte die Verwendung von Begriffen und
inwiefern zielte die Nutzung von Begriffen darauf, Realitäten
zu
schaffen?
Wortfelder
Im Folgenden werden einige der aus unserer Sicht für das
Verständnis der Vergangenheit und Gegenwart Rumäniens
wichtigen Wortfelder mit ihren Antonymen aufgeführt. Alle
diese
Grundbegriffe sind im rumänischen Kontext höchst
umstritten
und deshalb Gegenstand politischen Ringens, zugleich benötigen
Außenstehende zu ihrem Verständnis einer
ausführlichen
Erläuterung.
1. Români,
cetăţeni, tovarăşi, concitadini – bozgori, jidani, ţigani, 2. Economie
modernă, capitalism, liberalism, liberalism românesc – poporanism, ţărănism, corporatism,
communism, economie planificată 3. Drepturile
omului, drepturile fundamentale, drepturile cetăţenilor – drepturile
collective, drepturile naţiunii 4. Neam, popor, naţiune, cultura naţională –
minoritate, străin, păgân, multiculturalism 5. Europa, european, europenism, europenitate,
Europa centrală, Europa de sud-est, Europa est-centrală – naţionalism,
autohtonism, orientalism, creştinism, ortodoxism, balcanism 6. Regionalism, federalism, subsidiaritate –
centralism, unitate, independenţă 7. Libertate, dreptate – despotism, arbitrariu,
stăpânire, jug 8. Legendă, cronică, istorie – ideologie,
mitologie 9. Modern, modernitate, societate – tradiţie,
organicitate, comunitate 10. Politică, occidentalism, om politic –
politicianism, bizantinism, nepotism, politician 11. Monarhie, paternalism, autoritarism,
preşedinţie, şefie, conducător, căpitan – republică, democraţie, pluralism,
parlament, parlamentarism 12. Guvern, loialitate, loial – opoziţie, opozant 13. Presă, sfera publică – cenzură, scandal 14. Tranziţie, criză – stabilitate, continuitate 15. Corupţie, nepotism, familiarism, birocraţie –
corectitudine, responsabilitate, administraţie 16. Proprietate, pământ, posesiune, moştenire,
egolatrie - egalitate socială / bine de obşte, expropriere, solidaritate 17. Elită intelectuală, elită politică – masă
populară, popor, prostime 18. Bărbat, masculinitate, emancipare – femeie,
feminitate, discriminare 19. România, român, românesc, românitate, noi –
străinătate, străin, străinii, ei 20. Ţăran,
rural – orăşan, urban 21. Revoluţie,
revoltă, lovitură de stat – reformă, pace, alegeri Quellengrundlagen der Untersuchungen können sein:
Übersetzungs- und Fachwörterbücher,
Übersetzungen
von Werken zu Politik, Gesellschaft und Philosophie, Klassikertexte zur
rumänischen Zivilisation und Geschichte, Schulbücher,
historisch-politische Darstellungen in Publikumszeitschriften sowie
aktuelle Leitartikel, Reden, Briefe und Fernsehdiskussionen.
Aufnahmeregeln
Alle Doktoranden und Postdoktoranden werden in einem internationalen
Ausschreibeverfahren ausgewählt. Grundlage für die
Auswahl
werden ausführliche Exposés der Interessenten zu
den Themen
des Graduiertenkollegs sein. Die besten Bewerberinnen und Bewerber
werden nach Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat selektiert.
Alle Kollegiat/innen müssen Deutsch soweit beherrschen, dass
sie
Lehrveranstaltungen in deutscher Sprache folgen können.
Einzureichen sind (in Deutsch, Englisch oder Rumänisch) bis zum 31. Januar 2009: - ein Exposé von bis zu 5 Seiten - ein tabellarischer Lebenslauf - Angaben zum Abschlusszeugnis - Aussagen zu den Sprachkenntnissen - ein Gutachten über die bisherigen Studienleistungen (direktes E-mail des Gutachters an die Koordinatorin) Kontakt: per Mail an Valeska Bopp-Filimonov (wissenschaftliche Koordinatorin): Valeska.Bopp-Filimonov@rwth-aachen.de |
Thema, Konzept, MethodeBedeutung der „Begriffsgeschichte“ für Rumänien Die Fragestellung der „Begriffsgeschichte“ Der methodische Zugang Zielsetzung Bedeutung einer „Begriffsgeschichte“ für Rumänien
„Begriffsgeschichte“ ist Geschichtswissenschaft.
Sie handelt von vergangenen Gesellschaften und dem, was diese uns als
Sprachmaterial und kulturellen und sozialen Denkstrukturen
überlassen haben.
Die deutsche „Begriffsgeschichte“ geht
zurück auf Reinhart Koselleck, der das Konzept seit
den 1950er Jahren kontinuierlich ausformte und es parallel zur
französischen Diskursgeschichte oder der anglo-amerikanischen
New Intellectual History entwickelte. Wie in jenen spiegelt sich auch
in Kosellecks Überlegungen die Überzeugung einer
formenden Kraft der Sprache wider, in der das Geschehen, also die
Geschichte, auf den Begriff gebracht und zugleich Geschichte
unmittelbar gestaltet werde.
Koselleck stellte die sprachliche Bewusstwerdung historischer
Sachverhalte in den Mittelpunkt seiner Untersuchung und fragte nach den
politisch und sozial gebrochenen Deutungsvarianten. Damit
öffnete er sich bereits Ende der 1950er Jahre jenen
Sichtweisen, die heute mit dem Begriff des „linguistic
turn“ verbunden sind. Andererseits entwickelte Koselleck sein
Konzept aus einer spezifisch deutschen Tradition heraus. Breiter in der
Quellengrundlage und stärker interdisziplinär als die
New Intellectual History, hat Koselleck die deutsche
geistesgeschichtliche Tradition aufgegriffen. Damit hat er, damals
durchaus neu, Geschichte als Deutungskampf interpretiert. Koselleck
ging es darum, nach der Erfahrung des Nationalsozialismus die
Verfügbarkeit von Begriffen einzuschränken und
Sensibilität gegenüber der politischen Sprache zu
wecken.
In auffallender Weise entspricht die Ausgangssituation
Rumäniens derzeit der Lage in Deutschland nach 1945. In beiden
Fällen ging und geht es darum, durch Sprachbewusstsein die
Voraussetzung für eine demokratische politische Kultur zu
schaffen. Nur wenn „Volk“ oder
„Nation“, um zwei Beispiele „imaginierter
Totalisierungen“ zu nennen, als Konstrukte der Neuzeit
kenntlich gemacht werden, die dazu immer wieder neue inhaltliche
Besetzungen erhalten, können Vereinnahmungen selbstbewusst
abgewehrt werden.
Die Fragestellung der „Begriffsgeschichte“
„Begriffsgeschichte“ verspricht Antwort
auf eine ganze Reihe von Fragen, die die Wissenschaftlichkeit der
Historik unmittelbar tangieren: Warum muss Geschichte immer wieder neu
geschrieben werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die
Orientierungsleistung von Geschichte verbessert wird? Wie wird ein
bereits gedeuteter, überlieferter narrativer
Vorstellungskomplex in den Horizont gegenwärtigen Bewusstseins
geholt?
Indem Koselleck dem Sprachwandel in der Sattelzeit 1750-1850 und damit
der Herausbildung der Sprache der Moderne nachspürte, suchte
er zugleich die methodischen Regeln systematischer Sprachvergewisserung
herauszuarbeiten, also die Deutung von Erfahrungen aus der
Vergangenheit, die Ordnung der Dinge als Differenzerlebnis und die
säkulare Selbstbescheidung.
„Begriffsgeschichte“ thematisiert soziale
Sinnzuschreibungen im historischen Zusammenhang und sie beschreibt
damit den Aspekt der Kultur, also der Verständigung
über Zeichen und Symbole, der individuellen
Entäußerung und der situativen Anpassung und
Neuerfindung. Sie fragt danach, warum sich bestimmte Begriffe,
„Grundbegriffe“, durchgesetzt haben, welche
Vorstellungswelten die Begriffe bündeln, was sie
ausschließen, verdecken, offenlegen, wer mit welcher Absicht
sie in den politischen Diskurs eingebracht hat und wie die Begriffe in
der Öffentlichkeit lanciert wurden, was sie zu
nützlichen politisch-sozialen Termini gemacht hat und welche
Zukunftsvorstellungen sie enthalten.
Der methodische Zugang
Im Zentrum steht die Untersuchung von
„Grundbegriffen“.
„Grundbegriffe“ sind Begriffe, in denen sich eine
ganze Epoche verdichtet und die zugleich den Gegenstand erst formen,
von dem sie sprechen. Es handelt sich um Begriffe, die nicht abbilden,
sondern „Welten“ beschreiben, die mehrdeutig sind
und daher umstritten. Reinhart Koselleck sprach von den
„Grundbegriffen“ als
„Indikatoren“ und „Faktoren“
der Entwicklung. In „Grundbegriffen“ spiegeln sich
Ideologien. Sie sind strittig, dem öffentlichen Diskurs
ausgesetzt, und gleichwohl unersetzbar. Grundbegriffe unterliegen, wie
Jörn Leonhard gezeigt hat, Phasen der Entwicklung von der
präpolitischen Bedeutungsdimension über die
„Politisierung“ zur Ideologisierung. Damit
unterliegen sie einem sich immer wieder verändernden
Deutungskampf. Grundbegriffe lassen sich nicht nominalistisch fassen,
nicht einfach definieren, sondern müssen im jeweiligen Kontext
expliziert werden. Im Unterschied zu
„Quellenbegriffen“, die abgeschlossene
Vergangenheit repräsentieren, sind
„Grundbegriffe“ auch in der Gegenwart noch offen.
Mit Hilfe der „Grundbegriffe“ wird
Identität konstruiert. Ihre Untersuchung ermöglicht
das Aufzeigen von Zuschreibungen, Vereinnahmungen, Abgrenzungen.
Kontinuitäten und Brüche im gesellschaftlichen und
politischen Diskurs deckt „Begriffsgeschichte“ auf
und damit Identitätsunterschiede und
Identitätskonflikte. „Volk“, um ein
Beispiel aufzugreifen, ist ein abstrakter Begriff, der ganz
unterschiedliche Formen der
„Volkszugehörigkeit“ zulässt. Wer
zum „Volk“ gehört und wer nicht, das ist
das Thema der „Begriffsgeschichte“. Indem
„Begriffsgeschichte“ „Begriffe“
und „Texte“ zusammenbringt, beschreibt sie
„Vorstellungswelten“, schildert sie die mediale
Vermittlung der „Ideen“ und deutet sie die
Auseinandersetzung um Begriffe als Machtkämpfe.
Zielsetzung
Der rumänische Kulturraum ist bereits seit längerem
Gegenstand sprach- und geistesgeschichtlicher Untersuchungen. Doch
umfassende begriffsgeschichtliche Studien, die nicht (nur) die
Entwicklung von Sprache und die Historizität von Worten
thematisiert, sondern sich für solche Begriffe interessiert,
die im politisch-sozialen Wandel „neu“ entstanden
sind, diesen Wandel zeitweise auf den Begriff gebracht und selbst
Geschichte geschrieben haben, gibt es bisher
lediglich für bestimmte Aspekte und Epochen.
Darüber hinaus lässt
„Begriffsgeschichte“ sich in ihren verschiedenen
Variationen als „europäische“ Form des
Umgangs mit Vergangenem verstehen, nämlich (a) als Aneignung
und Abwehr transnational-europäischer Spracheinflüsse
und (b) als spezifisch
europäischer Modus der
Bewäöltigung des Vergangenen durch Kontextualisierung
und Kritik. „Begriffsgeschichte“ zu
Rumänien dient daher der sprachlichen Selbstvergewisserung
Europas sowie der Schaffung eines europäischen Kulturraums,
der sich seiner gegenseitigen Durchdringung, freilich auch der
Labilität der politischen Kulturen bewusst ist.
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Struktur und Aufbau des GraduiertenkollegsLeitungDas Graduiertenkolleg wird am Lehrstuhl für Geschichte der Universitatea de Vest in Temesvar eingerichtet. Hier erhielt Reinhart Koselleck 2005, kurz vor seinem Tod, die Ehrendoktorwürde der Universität.Prof. Dr. Victor Neumann hat bereits mehrere Bücher zur rumänischen „Begriffsgeschichte“ verfasst und Studierende zu Abschlussarbeiten im Bereich der „Begriffsgeschichte“ herangeführt. E-Mail: vneumann(at)litere.uvt.ro Prof. Dr. Armin Heinen ist für Rumänien vor allem mit Arbeiten zum Faschismus und zum Holocaust bekannt geworden. Er begleitet das Kolleg von deutscher Seite. E-Mail: armin.heinen(at)post.rwth-aachen.de Wissenschaftlicher Beirat
Ein Wissenschaftlicher Beirat wacht über die Funktion des
Graduiertenkollegs und sichert dessen wissenschaftliche
Qualität. Alle Dissertationen bedürfen eines
(zusätzlichen) Gutachtens durch ein Mitglied des
Wissenschaftlichen Beirats. Ebenso dürfen Publikationen nur
dann veröffentlicht werden, wenn der Wissenschaftliche Beirat
zugestimmt hat. Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates sind
vorrangig als Gastdozenten anzusprechen. Ihnen obliegt es, Anregungen
zur wissenschaftlichen Arbeit zu geben, das Graduiertenkolleg im
internationalen Kontext zu verankern und Kontakte der Doktoranden zu
wissenschaftlichen Institutionen innerhalb und außerhalb
Rumäniens herzustellen. Insbesondere unterbreiten sie
Namensvorschläge für Gastwissenschaftler und
mögliche Doktoranden.
Die Zusammensetzung des Wissenschaftlichen Beirats soll die Verankerung
in der internationalen Geschichtswissenschaft sicherstellen und einen
interdisziplinären Zugriff auf das Thema "Begriffsgeschichte"
gewährleisten.
Koordination
Valeska Bopp-Filimonov, M.A. Kulturwissenschaften. Doktorandin am Historischen Seminar der
Universität Leipzig zum Thema „Erinnerungen an den
Kommunismus in Rumänien. Familienbiographien im Prozess
gesellschaftlicher Transformation“
E-Mail: Valeska.Bopp-Filimonov@rwth-aachen.de |
Die KollegiatInnenSeit dem 1. Okober 2008 werden von der VW-Stiftung für ihre wissenschaftlichen Studien gefördert: Mihaela Popescu(geb. 1979), hat an der Universitate de Vest in Temesvar zwei Studiengänge absolviert: zwischen 1998 und 2002 hat sie Journalistik und Französisch studiert und von 2002 bis 2006 Geschichte und Italienisch. Ihren Abschluss in Geschichte machte sie bei Prof. Victor Neumann. Anschließend spezialisierte sie sich im Master-Studiengang « Mittelalterliche Geschichte » an der Universität Anger in Frankreich. Für ihre Master-Arbeiten (Les croix et les crucifix dans les églises de Rome entre VIIe et XIIIe siècle und Le Christ serein dans l’art italien médiévale) erhielt sie jeweils die Note « sehr gut ». Auf Grund dieser Studienleistungen wurde ihr Aufenthalt in Anger mit einem Stipendium von der rumänischen Regierung unterstützt. In ihre Masterarbeiten sind Materialien aus zwei Forschungsaufenthalten eingeflossen: Sie war am Institut Français in Rom und hat mit Eric Palazzo vom Centre d´Études Médiévales der Universität Poitiers in Frankreich zusammengearbeitet. Das Thema ihrer Dissertation am Graduiertenkolleg ist der Begriff des "creştinism" für das orthodoxe und griechisch-katholische Milieu des 19. und 20. Jahrhunderts.Henriete-Elfride Richer(geb. 1984), Lizenziatin in Soziologie, studierte von 2003 bis 2007 Soziologie an der Fakultät für Soziologie und Psychologie an der Universitatea de Vest in Temeswar. Anschließend absolvierte sie von 2007 bis 2008 eine post-universitäre didaktisch-orientierte Ausbildung im Bereich Bildungs- und Schulmanagement. Im Laufe ihres Studiums nahm sie an zahlreichen Forschungsprojekten zu regionaler Entwicklung, kultureller Identität und der Rolle ländlicher Gemeinschaften teil. Ebenso ist sie Co-Autorin von didaktischen Lehrwerken, unter anderem zur Stadt- und Regionalsoziologie. Seit Oktober 2008 ist sie Doktorandin im Rahmen des Graduiertenkollegs für Begriffsgeschichte an der Universitatea de Vest in Temesvar und arbeitet zu dem Begriffspaar „Bauer/ländlich – Städter/städtisch“ für die Regionen Banat und Muntenien im 19. und 20. Jahrhundert.Alexandru Zidaru(geb. 1982), Lizenziat in Geschichte, hat an den Universitäten Craiova und Bielefeld Geschichte studiert und sein Studium 2005 abgeschlossen. Anschließend hat er im Rahmen des Promotionsstudiengangs Geschichte an der Universität Craiova seine Doktorarbeit „Die Hohenzollern-Monarchie in Rumänien und die deutsch-rumänischen Beziehungen 1883 – 1914“ verfasst (ggw. im Abschlussverfahren). Sein Forschungsgebiet im Rahmen des Graduiertenkollegs sind die semantischen Transfers der Begriffe „neam“, „popor“ und „natiune“ und ihre pragmatische Anwendung in der rumänischen Politik und Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts. Weitere Interessenschwerpunkte gelten der Nationalismusforschung, transnationalen Kulturtransfers und der Politikgeschichte.************* Weitere fünf Plätze sind zu vergeben! Beachten Sie die Ausschreibung 2009! ************* |
Lehrveranstaltungen und KonferenzenGegenwärtig nehmen die ersten drei StipendiatInnen, die den Sprung in das Kolleg geschafft haben, an Veranstaltungen des allgemeinen Doktorandenprogramms der Geschichtsfakultät an der Universitate de Vest teil. Ab dem zweiten (Sommer-)Semester 2009 werden wir hier über speziell für die StipendiatInnen konzipierte Lehrveranstaltungen sowie die Konferenzen informieren. |
PublikationenGegenwärtig liegen noch keine Publikationen vor. |
FördererSeit Oktober 2008 fördert die VW-Stiftung die Einrichtung eines deutsch-rumänischen Graduiertenprogramms zur rumänischen Begriffsgeschichte an der Universität Temeswar. Die Laufzeit beträgt vier Jahre. Die Universitate de Vest in Temesvar unterstützt das Vorhaben mit technischer Ausstattung und der Sanierung eines eigenen Gebäudes auf dem Wissenschaftscampus im Stadtzentrum, das die Graduiertenschule voraussichtlich im nächsten Jahr beziehen kann. |
KontaktVerantwortlich: armin.heinen(at)post.rwth-aachen.de und vneumann(at)litere.uvt.ro Organisation: Valeska.Bopp-Filimonov@rwth-aachen.de |